Appetit auf Pausenbrot
Wie Sie Kindern, Eltern und sich selbst Lust auf Pausenbrot machen
Pausenbrot – wie langweilig, wie altbacken? Nein! Pausenbrote sind gesund. Dass sie frisch und modern sind wie der junge Frühling, können Schülern, Eltern und allen anderen an Schule Beteiligten Aktionen, Projekte und ein organisiertes Angebot zeigen.
„Hilfe, das Pausenbrot stirbt aus!“ Dieser Eindruck drängte sich vielfach auf, könnte man in die Schultasche der Schüler schauen. Tatsächlich gehört das klassische Pausenbrot, also die selbst von Mama oder Papa geschmierte Stulle mit Beilagen (Apfel, Paprika, Gurke zum Beispiel) zu einer vom Aussterben bedrohten Verpflegungs-Spezies.
Fertige Frühstücks-Snacks und -Riegel möchten den Eltern suggerieren, dass die Alternative aus dem Kühlregal bequem und ebenso vollwertig ist.
Brote von den Eltern? Uncool für die Älteren
Ältere Schüler über den ersten Grundschuljahrgängen ziehen oft selbst andere Snacks dem von Mama oder Papa belegten Brot vor. Mit ein oder zwei Euro in der Tasche kaufen sie sich selbst etwas. Das, was sie mit dem Geld anstellen, mündet – auch mangels Alternativen –häufig in einer Streuselschnecke oder einer Portion Pommes. Beide Mahlzeiten mögen aus Schülersicht zwar „cooler“ sein als das, was die Eltern mitgeben – vom gesundheitlichen Standpunkt sind sie jedoch eher „uncool“. Die Junk-Mahlzeiten, die fit für die schulische Leistung machen sollen, enthalten nämlich häufig:
- viel Fett vom Typ gesättigte oder chemisch gehärtete Fettsäuren (gekennzeichnet mit „pflanzliche Fette“ oder „pflanzliche Öle, z. T. gehärtet“),
- ausschließlich niedrig ausgemahlenes Weizenmehl mit einem geringen Schalenanteil und damit einem geringen Vitamin- und Mineralstoffgehalt (Kennzeichnung: „Weizenmehl“ anstelle von „Weizenvollkornmehl“),
- reichlich Zucker, der außer schnell verfügbaren Kohlenhydraten, die ebenso schnell wieder verbraucht sind, nichts Wertvolles mitbringt (auf der Zutatenliste stehen „Zucker“, „Honig“, „Glukosesirup“, „Fruktose“, „Fruchtzucker“ und/oder „Fruchtsüße“ an einer der ersten Stellen oder mehrfach aufgeführt),
- kaum oder kein Gemüse oder Obst.
Das Fitness-Pausenbrot besteht aus …
Erwarten muss man stattdessen von einer Fitness spendenden Mahlzeit, dass
- der Getreideanteil überwiegend aus Vollkornprodukten (Vollkorn-Müsli, Vollkornbrot, Vollkorn-Knäckebrot) besteht,
- Gemüse und/oder Obst enthalten ist (als Paprika- oder Gurken-Sticks, als Cocktail-Tomaten, als Apfelscheiben oder Obstsalat),
- sie ein Milchprodukt enthält (Schnittkäse, Frischkäse, Kräuterquark, Obstquark, Joghurt, Trinkjoghurt),
- die enthaltenen Fette hochwertig und wenig bearbeitet sind (z.B. Oliven- oder Rapsöl, Butter, Pflanzenmargarine ohne gehärtete Fette),
- dazu Wasser oder eine selbst stark verdünnte Apfelsaftschorle (aus 1 Teil Saft und 3 Teilen Wasser) als Getränk angeboten werden.
Die Mahlzeit sollte in einer angenehmen Atmosphäre und in Ruhe eingenommen werden können.
Die sachlichen Tatsachen liegen klar auf der Hand – wie aber macht man den Beteiligten mehr Lust aufs Pausenbrot mit Beilagen?
Appetit auf Pausenbrot: Eltern
Fast alle Eltern kommen zum Elternabend in die Schule. Gesunde Ernährung lässt sich am nachhaltigsten vermitteln, wenn man nicht viel darüber redet, sondern sie einfach „tut“: leckere Speisen herstellt und sie isst.
Aktion 1:
Verbinden Sie den Elternabend mit einem kleinen Pausenbrot-Workshop. Kaufen Sie – eventuell zusammen mit den Schülern – ein paar Zutaten ein, die Sie für geeignet halten (siehe oben), machen Sie ein Zutaten-Büffet auf und erstellen Sie mit den Eltern gemeinsam ein Pausenbrot-Buffet. Beim gemeinsamen Essen kommen Sie mit den Eltern ins Gespräch: Was gehört zum Pausenbrot dazu? Warum fällt es oft so schwer? Wie ist der Rhythmus morgens bei uns zu Hause, wie kann es eingebaut werden? Was kann am Abend vorbereitet werden? Probieren Sie Ihre Tipps vorher selbst zu Hause aus, dann wissen Sie, was funktioniert.
Aktion 2:
Die Krankenkassen, die örtlichen Landesvereinigungen der Milchwirtschaft oder auch die Verbraucherberatungsstellen beschäftigen Ernährungsberater/innen, die kostenlos Elternabende besuchen und mit den Eltern über’s Pausenbrot sprechen. Bauen Sie den Ernährungs-Profi in einen gewöhnlichen Elternabend ein, dann erreichen Sie auch die Eltern, die sich eigentlich nicht für das Thema interessieren.
Appetit auf Pausenbrot: Schüler
Wie stellt man es an, dass das Pausenbrot wieder cool wird? Jüngere Schüler sind noch leicht zu motivieren, wenn man ihnen nur Gelegenheit für ein schönes Frühstück gibt.
Projekt 1:
Führen Sie ein regelmäßiges Klassenfrühstück ein. Kinder, die bisher kein Pausenbrot dabei haben, stellen sich innerhalb kurzer Zeit um und bringen auch etwas mit. Heben Sie die Pausenbrote hervor, die Sie aus Fitness-Sicht sinnvoll finden, reden Sie nicht schlecht über die anderen.
Halten Sie Wasser oder Früchtetee zum Trinken, Servietten und etwas jahreszeitliche Dekoration bereit. Decken Sie die Tische mit den Kindern. Auf diese Weise schaffen Sie eine stimmungsvolle Umgebung für ein wertvolles Pausenbrot. Wie so ein Klassenfrühstückprojekt aussehen kann, lesen Sie zum Beispiel bei der Waldschule.
Aktion 3:
Machen Sie die traditionelle Frühstückskultur der Familien mit Migrationshintergrund zum Thema. Heben Sie sie positiv hervor und probieren Sie die Frühstücks-Rituale gemeinsam mit der Klasse aus. „Wie frühstückt die Welt?“ ist ein Projekt, das bereits einen Preis für sein beispielhaftes Vorgehen erhalten hat. Nähere Informationen finden Sie bei der Projektdokumentation „Wie frühstückt die Welt?“ auf www.primolo.de.
Projekt 2:
Ältere Schüler stehen definitiv weniger auf das selbst gemachte Pausenbrot. Suchen Sie Verbündete für ein gemeinsames Frühstücks-Angebot von Eltern, Schülern, Lehrern und einem Förderverein als Träger eines Frühstücks-Cafés. Tasten Sie sich in kleinen Schritten an ein tägliches Frühstücks-Angebot heran, mit Zutaten, die von Schülern, Eltern, Lehrern und anderen Beteiligten gemeinsam festgelegt werden. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Initiative zu einem Frühstückstreff finden Sie hier bei www.elternschaft-gyko.de.
Appetit auf Pausenbrot: den Lehrern bzw. sich selbst
Lehrer sind Menschen wie andere auch: Die einen betreiben ihre Ernährung akribisch und bereiten sich mit einer gefüllten Thermoskanne, einer Klappstulle und Gemüse- und Obststiften auf einen langen Schultag vor, die anderen stürzen in der Pause lediglich eine Kaffee herunter und verschieben das gemütliche Essen auf den Nachmittag.
Frühstück mit den Schülern:
Sehen Sie das gemeinsame Frühstück mit den Schülern auch als Chance. Es
ist nicht nur ein Weg, biologische Grundkenntnisse ganz praktisch umzusetzen, es ist auch die Gelegenheit, mit den Schülern beiläufig in Kontakt zu treten und das Verhältnis zu einzelnen Schülern zu verbessern. Ganz nebenbei trainieren die Kinder ihr Sozialverhalten untereinander – das kommt Ihnen dann wieder im Unterricht zugute.
Ihre persönliche Tages-Fitness:
Denken Sie nicht nur an die Ernährung Ihrer Lieben, seien Sie auch gut zu sich. Sorgen Sie dafür, dass Sie während eines Schultages wenigstens etwas essen. Wenn Ihnen selbst geschmierte Stullen zu anstrengend sein, bewaffnen Sie sich mit vollwertigen Snacks: Studentenfutter, ein Flockenmüsli mit Rosinen und Nüssen (das schnell mit etwas H-Milch zusammengerührt ist), ein Vanillequark und zwei, drei knackige Äpfel oder Orangen bringen Sie gut durch den Tag.
Projekt 3:
Sprechen Sie mit Kollegen darüber, wie Sie die Verpflegung in den knappen Unterrichtspausen für alle etwas leichter gestalten können. Gibt es einen Wasserspender oder Karaffen mit Trinkwasser im Lehrerzimmer? Wasser trinken sollte nicht nur im Unterricht ein Muss sein, es gehört in jede Lehrerpause. Können Sie sich zusammen tun und einen einfachen Kaffeespezialitäten-Automat kaufen? Wie wäre es mit einer Flocken-Müsli-Bar für alle? Kann man reihum den Einkauf von Obst oder Rohkostgemüse für die Lehrer organisieren?
Appetit auf Pausenbrot: anderen an Schule Beteiligten

Auch der Hausmeister, das Catering-Unternehmen, das die Schule mit Mittagessen beliefert oder die Fachkräfte, die die Kinder in den Nachmittagsstunden betreuen, können mit Ihnen an einem Strang ziehen und das Projekt „gesundes Pausenbrot“ unterstützen.
Projekt 4:
Initiieren Sie ein Projekt unter dem Motto „Gesundheit für alle“ und holen Sie alle an der Pausenverpflegung Beteiligten ins Boot. Entwerfen Sie Standards für die Ernährung an der Schule. Wie sollte sie idealerweise inhaltlich aussehen? Wie müssen die Bedingungen in der Schule beschaffen sein, die eine ausgewogene und genussvolle Pausenverpflegung erleichtern? Müssen der Unterrichtsbeginn oder die Pausenzeiten verändert werden?
Der Hausmeister, sofern er bisher ein Schulkiosk mit Snacks für Klein und Groß betrieben hat, sollte sein Angebot kritisch durchleuchten: Milch und Milch-Getränke, Joghurt, Apfelsaftschorle, Obst und Früchteriegel passen zu einer fitness-betonten Pausenverpflegung.
Mittagessen: Auch der Caterer kann sich den neuen Standards der Schule anpassen und für kurze Anfahrtswege, ein reichliches Gemüse- und Obstangebot, regelmäßig Fisch und Wasser als Getränk sorgen. Nähere Infos finden Sie in den Qualitätsstandards für die Schulverpflegung unter www.schuleplusessen.de.
Am Nachmittag: Für die Erzieher oder andere Fachkräfte in der Nachmittagsbetreuung gilt das Gleiche wie für die Lehrer: Auch sie können sich in Sachen Getränke und Pausenbrot organisieren – damit ein leckeres und gesundes Pausenbrot für alle leichter zu realisieren ist und attraktiver wird.
Zum Thema Schule und Pausenbrot finden Sie ...
... wichtige Materialien für die Projekte:
(Special)
FOOD NEWS - Lieber Bauch voll als Börse leer
(Unterrichtsmaterial, Klasse 7 bis 10)
(Ringordner, Klasse 1 bis 6)
(Unterrichtsmaterial, Klasse 7 bis 10)
(Bildquelle: aid)
Autor:
Stephanie Wetzel, Berlin; Redaktion: Christof Meinhold, Köln (März 2006)









