Gesund wozu?
Motivation zur Verhaltensänderung
(aid) - Wie können Menschen dabei unterstützt werden, ihren Lebensstil zu ändern? Das ist eine Kernfrage im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung. "Vor dieser Frage muss aber zunächst eine andere stehen", forderte Prof. Dr. Christoph Klotter von der Hochschule Fulda beim 14. aid-Forum in Bonn, nämlich: "Wozu wollen Gesundheitsexperten eigentlich motivieren?" Die Frage scheint schnell beantwortet. Ein gesundheitsgerechter Lebensstil nützt den Menschen, weil sie ein gesundes und langes Leben führen können. Er nützt daneben dem Staat, weil die Kosten im Gesundheitssystem gedämpft werden.
Doch diese naheliegenden Antworten lassen sich hinterfragen und sind weniger eindeutig als gedacht, meint Klotter. Wer lange gesund lebt, verursache durch einen längeren Rentenbezug zusätzliche Kosten. Auf individueller Ebene müsse berücksichtigt werden, dass der Erhalt der Gesundheit ihren Preis habe, denn auf manche vielleicht geschätzten Verhaltensweisen müsse verzichtet werden. Die Anforderungen an eine gesunde Lebensführung hätten sich zunehmend verschärft und können für Menschen zu einem qualvollen Zwangssystem werden. Auch Gesundheitsexperten trügen mit ihren Botschaften dazu bei, dass Menschen mehr oder weniger das Gefühl hätten, den Anforderungen nicht gerecht werden zu können. "Ist das gesund?", fragte Klotter. Ständige Unzufriedenheit könne zu unrealistisch hohen Erwartungen führen. Falls diese nicht eingelöst würden, wie es die Regel sei, könnten sie ins Gegenteil umschlagen.
Berater und Therapeuten sollten ihre Haltung und ihr Menschenbild reflektieren. Gesundheit sei kein Wert an sich, sondern immer mit der Frage "Wozu?" verknüpft. Klienten mit Wertschätzung, Empathie und Echtheit zu begleiten, fördere die Motivation zur Verhaltensänderung. Wer berät, müsse zudem selbst nicht immer perfekt sein. Berater haben eine Vorbildfunktion, sagte Klotter "Aber der Anspruch an Perfektion ist pathogen für den Beratungsprozess: Er überfordert den Berater und schüchtert den Klienten ein." Es sei wichtig, nicht unerreichbare sondern erreichbare Erwartungen zu wecken.
Andrea Fenner, www.aid.de
Quelle:
aid infodienst, Presseinfo Nr. 24/11 vom 15.06.2011
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