Bereitschaft zur Verhaltensänderung fördern
Motivational Interviewing in der Gesundheitsförderung
(aid) - Schlechte Gewohnheiten ablegen, das ist leichter gesagt als getan. Wer seinen Lebensstil nachhaltig ändern möchte, braucht Kenntnisse, Kompetenzen und Durchhaltevermögen. Besonders wichtig, aber nicht immer vorhanden, ist die Bereitschaft zur Veränderung. Hier setzt das "Motivational Interviewing" an. Das patientenzentrierte und direktive Verfahren hat zum Ziel, die Behandlungsmotivation von Patienten zu fördern. Nicht selten sitzen Ärzte, Berater oder Therapeuten vor Menschen, die "nur" wegen einer Überweisung ihres Arztes oder auf Druck des Lebenspartners zu ihnen gekommen sind. Derartige extrinsische Faktoren können zwar Einzelnen einen Motivationsschub geben. "Eine dauerhafte Verhaltensänderung ist jedoch weitaus wahrscheinlicher, wenn Patienten sich selbst überzeugen", erklärte PD Dr. Ralf Demmel von der Universität Münster auf dem 14. aid-Forum in Bonn.
Gesundheitsprofis könnten diesen Prozess anstoßen, indem sie bei ihren Patienten ein lautes Nachdenken über die Aussicht auf Veränderung initiieren. "Fragen Sie, wie wichtig ihnen die Veränderung ist und ob sie sich den Weg zutrauen." Eine hilfreiche Technik sei, dabei mit einer 10-Punkte-Skala zu arbeiten, um herauszufinden, wo der Patient steht. Wenn der Therapeut die Antworten anschließend möglichst verständlich und präzise wiederholt, hört der Patient sein eigenes Plädoyer gleich in zwei Versionen. "Motivational Interviewing wurde zunächst in Abgrenzung zu herkömmlichen - zumeist konfrontativen - Methoden der Behandlung alkoholabhängiger Patienten entwickelt", so Demmel bei seinem Vortrag. In den vergangenen Jahren habe die Methode jedoch auch in anderen Bereichen Anwendung gefunden, zum Beispiel in der HIV-Prävention und der Bewährungshilfe oder bei Anorexia nervosa, Adipositas und Diabetes. Die Methode umfasst verschiedene Verfahren und Instrumente der Gesprächsführung. "Insbesondere schwierige Patienten scheinen von einer solchen non-konfrontativen Behandlung zu profitieren", so Demmel.
Andrea Fenner, www.aid.de
Quelle:
aid infodienst, aid-PresseInfo Nr. 23 vom 08.06.2011
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