Bewegung lässt sich vielfältig in den Schulalltag integrieren
Mehr Bewegung in die Schule
Bewegungsmangel gilt als, wenn nicht die, so doch zumindest eine der wichtigsten Ursachen für Übergewicht bei Kindern. Vergleicht man die Ausdauerleistung oder bestimmte motorische Fähigkeiten von Kindern einer Altersgruppe mit der von vor zehn Jahren, so zeigt sich eine deutliche Verschlechterung der Leistungen. Kinder bewegen sich offensichtlich im Alltag zu wenig.
Bewegung hat einen elementaren Einfluss auf eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung. Erfahrungen aus der Praxis legen nahe, dass mehr Bewegung in der Schule die Konzentration keinesfalls mindert. Konflikte auf dem Schulhof gehen zurück, die Lehrer müssen seltener eingreifen.
Bewegung passt in den Schulalltag
Was liegt da näher, als Räume, in denen sich Kinder täglich viele Stunden lang aufhalten, z. B. das Klassenzimmer, aktiv für den Bewegungsausgleich und die Schulung motorischer Fähigkeiten zu nutzen? Dieser Beitrag stellt einige Beispiele für "Mehr Bewegung in der Schule" außerhalb des eigentlichen Sportunterrichts vor:
1. Tat-Ort Schulhof
Durch die Umgestaltung des Schulhofeskönnen die Kinder zu vielflätigen Aktivitäten angeregt werden. Beispiele sind die Einrichtung eines Sandspielgeländes, einer Holzbrücke, eines Biwaks aus Weidenzweigen oder einer Murmelbahn. Anregend ist es auch, wenn der Schulhof sichtbar unterteilt wird in Flächen zum Spielen und solche zum Ausruhen. Ein Fußballfeld oder eine Kletterwand laden zur Aktivität ein, Bänke und Gelegenheiten zum Unterschlüpfen zum Rückzug und zur Entspannung.
2. Tat-Ort Schulpause drinnen
Wenn es draußen regnet, müssen notgedrungen Schulgebäude und Klassenraum für die Pause herhalten. Hier sind die Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt, weil die Unfallgefahr durch die engeren Räume, durch sperrige Gegenstände und Treppenabsätze erhöht ist. Dennoch lassen sich auch hier risikoarme Bewegungsmöglichkeiten umsetzen. Spielfelder für Hinkespiele können auch in den Boden des Schulflurs eingezeichnet sein und ermöglichen Bewegung auf engem Raum.
Zieh- und Schiebespiele mit Teppichfliesen:
Variante 1: Mit Hilfe von Schulranzen wird ein Parcours im Schulflur eingerichtet. Die Schüler sitzen auf Teppichfliesen, ein Partner schiebt sie durch den Parcours.
Variante 2: Die Schüler treten in zwei Gruppen gegeneinander an. Ein Schüler A sitzt auf einer Teppichfliese und wird von einem Schüler aus der anderen Gruppe B herübergezogen. Dann zieht Gruppe A den ersten Schüler aus Gruppe B herüber, das passiert so lange, bis alle Schüler einmal ausgetauscht sind.
Zielwurfspiele:
In die Kleiderhaken im Schulflur werden nach oben offene Kisten eingehängt. In sie wird mit weichen Bällen oder Papierkugeln geworfen. Dabei treten Gruppen oder Klassen gegeneinander an. Je weiter entfernt der Karton ist, desto mehr Punkte gibt es.
Fußfühlpfad:
Auf dem Boden verteilte Kartons werden mit unterschiedlichen Materialien gefüllt. Ein Schüler wird von einem anderen von Karton zu Karton geführt, er muss mit dem Fuß erfühlen, welches Material, welcher Gegenstand sich in dem Karton befindet.
Ruhige Spiele führen zu einer bewegten und entspannenden Pause im Klassenraum.
"Fisch auf dem
Trockenen":
Die Tische werden ohne Stühle in U-Form aneinandergefügt. Ein Schüler legt sich bäuchlings auf den Tisch und zieht sich mit Hilfe seiner Arme vorwärts, ein anderer Schüler hilft ihm durch Schieben an den Füßen. Am Ende des Us angekommen, empfangen den liegenden Schüler sechs Mitschüler, die ihn sanft aufheben und auf die ausgelegten Decken und Kissen niederlegen, der Fisch ist sozusagen wieder im Wasser angekommen. Igelballmassage: Die Schüler massieren sich mit Hilfe von Igelbällen gegenseitig von Hals bis Fuß.
Luftballonspiele:
Variante 1: Ein Luftballon muss mit dem Ellbogen, der Schulter oder dem Knie der Schüler in der Luft gehalten werden.
Weitere Varianten: Zwei Schüler halten einen Luftballon zwischen beiden Stirnen, zwischen beiden Hüften oder Rücken und müssen gemeinsam durch den Raum gehen, mit Richtungswechsel.
Ein Tipp: Bevor man die Spiele im Schulflur oder im Klassenzimmer einführt, sollte man sie in der Turnhalle mit den Schülern erproben. An dieser Stelle kann man auch besprechen, worauf zu achten ist, wenn dasselbe Spiel in den engeren Schulräumen gespielt wird.
3. Bewegungsort Unterricht aller Fächer
Aktives Sitzen:
Kinder sitzen von Natur aus nicht gerne lange still. Ein aktives, d. h. bewegliches Sitzen ist gesund für den Rücken, es wird durch unterschiedliche Sitzgelegenheiten unterstützt: Halbwalze, Sitzwürfel, Sitzball (z. B. von einer Krankenkasse gesponsert) und normaler Schülerstuhl können sich als Sitzgelegenheit abwechseln. Die Kindern nehmen sich zum Sitzen, was sie möchten und dürfen auch selbständig wechseln.
In den Pausen benutzen die Kinder die Sitzgelegenheiten wie Halbwalze oder Sitzball, um darauf "abzuhängen". Gleichzeitig eignen sich die "wackligeren" Sitzgelegenheiten auch dazu, um durch eigene Körperhaltungen zu erproben, wie man darauf am besten und stabilsten sitzt: Ist der Sitz stabiler, wenn ich mich gerade mache, wenn ich meine Rücken- und Bauchmuskeln anspanne?
Lernen an Stationen:
Das Lernen an Stationen ermöglicht Kindern, während des Lernens aufzustehen und Aufgaben in Bewegung zu lösen. Mit Hilfe eines Laufzettels wandern die Kinder von Station zu Station.
Mit Zahlen in Bewegung kommen:
Ein Beispiel für bewegtes Lernen im Mathematikunterricht:
Die Kinder bekommen die Aufgabe, besonders viele Gegenstände mit ein und derselben Länge auf dem Schulgelände zu finden, z. B. ein
Meter.
Oder: Briefumschläge werden mit den Zahlen von 10 bis 20 beschriftet und an eine Wand geklebt. Die Kinder denken sich Additions- und Substraktionsaufgaben aus, deren Ergebnis eine der Zahlen zwischen 10 und 20 ist und bringen die Aufgabe auf einem Stück Papier zu dem jeweiligen Umschlag.
Oder: Die Kinder lösen Rechenaufgaben mit einem Rechenparcours aus Halbwalzen im Klassenraum. Die Kinder addieren zwei Zahlen und gehen auf die entsprechende Halbwalze (z. B. 3 + 3 = 6), dann sollen sie subtrahieren (z. B. - 2), sie wandern wieder auf die entsprechende Halbwalze.
Begriffe finden:
Die Kinder ordnen Begriffe, die thematisch zusammengehören einander zu. Die Begriffe werden an unterschiedlichen Ecken des Raums aufgehängt, die Mitte des Raums bleibt dabei von Möbelstücken frei. Der Lehrer/die Lehrerin schreibt "Schaf" an die Tafel. Die Kinder laufen zu "Wolle". Oder die Kinder ordnen Gegensatzpaare einander zu: An die Tafel wird das Wort "hell" geschrieben. Die Kinder stellen sich zur Karte mit dem Wort "dunkel".
Spielend lernen mit Geschichten:
Die Schüler ahmen Geschichten aus dem Unterricht mit Geräuschen und Bewegungen nach, z. B. "Pferderennen mit Hindernissen": Die Kinder knien im Kreis.Durch Schlagen der Hände auf die Oberschenkel ahmen sie das Getrappel der Pferdehufe nach. Die Pferde starten (schnelles Schlagen), die Pferde springen über ein Hindernis (die Schüler rufen "Hui" und ahmen den Sprung mit einer Armbewegung nach), die Pferde laufen durchs Ziel (die Kinder reißen die Arme in die Luft und rufen: "Juhu").
Oder: Die Kinder spielen eine Geschichte aus dem Unterricht als echtes Theaterspiel nach. Auf diese Weise intensiviert Bewegung Lernerfahrungen.
Vielfältige Anregungen für das "mobile Klassenzimmer" liefert die Fachliteratur zur Sportpädagogik. Auch in Büchern zum ganzheitlichen Lernen und zur Montessori-Pädagogik findet sich eine Fülle von Anregungen für ein bewegtes Lernen.
Weitere Anregungen
... finden Sie in der Literaturliste Mehr Bewegung in die Schule (Download 63 KB)
... und in diesem Beitrag des aid-Schulportals www.aid-macht-schule.de:
Bewegung im Unterricht! Bewegte Schüler lernen leichter.
Weiterführende aid-Medien:
(Unterrichtsmaterial, Sek I und II)
Rundum fit mit Sport und Ernährung
(Heft)
(Unterrichtsmaterial, Klasse 7 bis 10)
Die aid-Bewegungspyramide für Kinder
(Bildquelle: www.photocase.de)
Autor:
Stephanie Wetzel, Berlin; Redaktion: Christof Meinhold, Köln (Januar 2005)









