Verantwortlicher Arzneimitteleinsatz im Bio-Landbau
Strikter Verzicht auf Antibiotika im US-Bioprogramm schießt über das Ziel hinaus
(aid) - Die EG-Öko-Verordnung schreibt vor, dass Tiere auf Bio-Betrieben im wesentlichen homöopathisch oder durch Phytotherapie behandelt werden sollen. Wenn der Einsatz konventioneller Arzneimittel erforderlich ist, wird die normalerweise vorgeschriebene Wartezeit verdoppelt. Das hielt Tierarzt Dr. Matthias Link auf der Bioland-Milchviehtagung im Februar in Kleve zum Schutz der Verbraucher für eine sinnvolle zusätzliche Absicherung. Der hierdurch erzeugte betriebswirtschaftliche Druck, wirklich restriktiv mit Tierarzneimitteln umzugehen und verstärkt vorbeugend aktiv zu werden, um den Bestand gesund zu erhalten, sei nicht zu unterschätzen. Grundsatz müsse aber sein, "keinen Therapienotstand zu erzeugen". Für jeden Tierbestand, gleich ob bio oder konventionell, sei der Zustand perfekter Gesundheit eine Illusion. Es werde immer wieder Unfälle oder Krankheiten geben, die den Einsatz herkömmlicher Arzneimittel notwendig machten. Die antibiotische Behandlung bei Kälbergrippe in der gesamten Gruppe sei nicht nur sinnvoll, eine Nicht-Behandlung verstoße sogar gegen das Tierschutzgesetz. Wer hier den Verbraucherschutz oder gar die Erwartungen der Verbraucher in den Vordergrund rücke, verhindere den Ausgleich der Interessen mit dem Tierschutz.
Link zeigte am Beispiel der US-Praxis, wie fragwürdig der strikte Verzicht auf Antibiotika sein kann. Auch deutsche Bio-Betriebe erzeugen inzwischen tierische Produkte nach diesen amerikanischen Vorgaben der "NOP (National Organic Program)-Standards". Hier gilt ein strenges Verbot konventioneller Tierarzneimittel. Im Klartext: Ein Tier, das irgendwann im Verlaufe seines Lebens einmal antibiotisch behandelt werden musste, kommt für NOP nicht mehr in Frage.
Insgesamt bleiben bei den NOP-Standards eine Menge Fragen offen: Ist eine solche Praxis dem gesamten Status der Tiergesundheit im ökologischen Landbau dienlich? Ist der Preis einer stark erhöhten Remontierungsrate durch frühe Schlachtung erkrankter Tiere für einen überzeugten Bio-Bauern nicht zu hoch? Ist Marktdruck statt Einsicht in den Nutzen vorbeugender Tiergesundheit der richtige Weg? Warum ist die Entwurmung mit Ivermectin für Kühe bis 90 Tage vor Beginn der Laktation zugelassen und warum dürfen im Obstbau antibiotische Mittel eingesetzt werden?
Fazit des Tierarztes: NOP mag als Nischenmarkt derzeit funktionieren, als Vorbild für Alle sind die Standards äußerst fraglich.
aid, Britta Klein
Quelle:
aid infodienst, aid-PresseInfo Nr. 11/07 vom 14.03.2007
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