Paradigmenwechsel mit falschen Weichen
Entwurf für neue EU-Öko-Verordnung führt zur Entwertung von Bio

(aid) - Ein neuer Entwurf für eine EU-Öko-Verordnung sorgt derzeit für reichlich Unmut und Unverständnis in der Bio-Branche. In allerkürzester Frist und ohne Beteiligung des EU-Parlamentes will die Kommission weit reichende Änderungen durchsetzen.
Nach Ansicht des Bundesverbandes der Bio-Supermärkte käme die Annahme dieses Vorschlages einer Total-Revision der alten Verordnung aus 1991 gleich. Wie Dr.
Götz Rehn auf der Messe Biofach 2006 in Nürnberg ausführte, müsse ein Paradigmenwechsel dieses Ausmaßes zu einer grundlegenden Änderung des Selbstverständnisses darüber führen, was unter Bio-Produkten zu verstehen sei.
Die Kommission plant unter anderem die Abschaffung der bisherigen, eng begrenzten Positivlisten. Dies werde unter anderem zu endlosen Diskussionen darüber führen, ob nicht auch bislang nur im konventionellen Landbau zugelassene Pflanzenschutzmittel im Bio-Anbau eingesetzt werden könnten. Auch das ausgeklügelte System mit staatlichen Kontrollen und eigenen Maßnahmen der Hersteller und Verbände würde wegfallen und zu einer weniger transparenten und stringenten Kontrollpraxis führen. Nicht zuletzt werde das bisher sehr ausgeprägte Irreführungsverbot bei der Bewerbung von Bio-Produkten deutlich abgeschwächt. Rechtsanwalt Dr. Hanspeter Schmidt führt das übereilte Vorgehen der Kommission vor allem darauf zurück, dass in diesem Jahr ansonsten all die alten Marken auslaufen müssten, die keine Bio-Produkte seien, sich aber noch mit "Bio" im Namen schmücken dürften.
Die Bio-Branche hofft nun mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) darauf, dass die EU-Kommission den Entwurf "auf einem weissen Papier neu schreibt".
Gelegenheit, sich zu informieren bot die Biofach in Nürnberg allemal. Die Weltleitmesse im Naturkost- und Biobereich verzeichnete in diesem Jahr 2 050 Aussteller aus 73 Ländern. Das Handelsvolumen der Bioprodukte beträgt weltweit inzwischen 25 Mrd. US-Dollar, in Deutschland 4 Mrd. Euro mit zweistelligen Wachstumsraten.
Der Parlamentarische Staatssekretär im BMELV, Dr. Gerd Müller, betonte auf der Eröffnungsveranstaltung, dass sich sowohl konventioneller Landbau als auch Bioanbau gleichermaßen an höchster Produktqualität messen lassen müssten. Die Politik setze nur die Rahmenbedingungen, über Produkte, Preise und Qualität entscheide letztendlich immer der Verbraucher.
aid, Britta Klein
Quelle:
aid infodienst, aid-PresseInfo Nr. 08/06 vom 22.02.2006
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