24.08.2010
| Ernährung
Niedrige Streuobst-Apfelernte 2010
Bundesweite Streuobsterhebung dringend erforderlich

Bildquelle:
(c) Peter Hebgen / Pixelio (www.pixelio.de)
die deutsche Apfelernte im Streuobstbau in diesem Jahr unter 500.000
Tonnen liegen. Damit ist erneut eine Ernte deutlich unter dem
Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2009 (800.000 Tonnen) und der Jahre 1980
bis 1994 (1,1 Millionen Tonnen) zu erwarten. Hauptursache für den
geringen Ertrag 2010 ist laut NABU die kalte Witterung während der
Streuobstblüte im April. Ursachen für den generellen Rückgang sieht der
NABU in der meist schwierigen ökonomischen Situation bei der
Streuobstbewirtschaftung, daher mangelnder Pflege sowie dem allgemeinen,
wenn auch verlangsamten Rückgang der Streuobstwiesen.
„Die Apfelernte im Streuobstbau fällt 2010 nicht nur sehr gering,
sondern auch lokal sehr unterschiedlich aus. Sie ist gekennzeichnet
durch Nullertrag und ordentlichen Erträgen auf kleinster Fläche“,
sagte Markus Rösler, Sprecher des NABU-BFA Streuobst. In Süddeutschland
falle die Ernte noch ordentlich aus, aber im Westen und im Norden sei
sie weit unterdurchschnittlich. In den neuen Ländern sowie Teilen
Nordrhein-Westfalens ist laut Rösler teils weniger als ein Drittel der
langjährigen Durchschnittsernte im Streuobstbau zu erwarten.
Aufgrund der niedrigen Streuobst-Apfelernte ruft der NABU die
Keltereien auf, besonders auf gute Qualität zu achten und möglichst erst
Mitte September mit der allgemeinen Obstannahme zu beginnen: Da die
Oechslewerte und damit die Qualität des Obstes im Verlauf des Herbstes
ansteigen, sei es sinnvoll, wenn die Auszahlungspreise für das Streuobst
im Verlauf der Ernte ebenfalls ansteigen. „Betriebswirtschaftlich
rentabel sind nach Kalkulationen des NABU 20 Euro je Doppelzentner“,
so Rösler.
Die letzte bundesweite Erhebung des Streuobstanbaus fand in der
Bundesrepublik 1965 und auf dem Gebiet der neuen Länder 1938 statt.
Damit fehlen verlässliche Daten für einen Wirtschaftszweig mit
Qualitätsprodukten und Milliarden-Umsätzen und herausragender
Bedeutung für die biologische Vielfalt. Streuobstwiesen sind ein
wichtiger Lebensraum für seltene Tierarten und zugleich ein
wirtschaftliches Standbein für Obstbauern. Der NABU fordert daher von
Bundesagrarministerin Aigner und Bundesumweltminister Röttgen, sich für
eine bundesweite Flächenerhebung des Streuobstanbaus einzusetzen. Nach
Schätzungen des NABU gibt es in Deutschland noch etwas über 300.000
Hektar Streuobstbestände. Die Hauptobstart im Streuobstbau ist der Apfel
mit über 50 Prozent der Hochstamm-Obstbäume.
„Nach der 2009 erfolgten Auflösung der Zentralen Markt- und
Preisberichtsstelle (ZMP) stehen noch weniger obstbaurelevante Daten zur
Verfügung. Daher ist es für uns umso wichtiger, abschätzen zu können,
wie die stark schwankende Streuobsternte ausfällt“, so Rösler. In über
120 Regionen Deutschlands kooperieren Naturschutz, Keltereien und Landwirte in der so genannten Streuobst-Aufpreisvermarktung. Sie erzeugen auf der Basis fairer Preise und mit getrennter Erfassung und
Vermarktung der 100-Prozent-Streuobstprodukte rund acht Millionen Liter
Getränke mit einem Marktwert von weit über 20 Millionen Euro.
Die Verwertung der Äpfel im Streuobstbau in Deutschland erfolgt regional sehr unterschiedlich. Bundesweit durchschnittlich rund 40 Prozent der Streuobstäpfel werden durch Keltereien erfasst und zu Getränken verarbeitet. Das ergibt rund 240 bis 300 Millionen Liter im Jahr. 30 bis 40 Prozent der Streuobst-Äpfel gehen in die Eigenverwertung von Privathaushalten. Rund zehn Prozent werden als Tafelobst vermarktet, je fünf Prozent werden zu Obstbränden beziehungsweise zu Sonderprodukten wie Mus und Dörrobst verarbeitet. Unabhängig davon wird bei starken Ernten und niedrigen Preisen ein weiterer Anteil von teils über zehn Prozent gar nicht abgeerntet.
Quelle:
NABU, Pressemitteilung vom 19.08.2010
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