Was krabbelt denn da?
Lagern mit System bewahrt Geschmack und schützt vor Schädlingen

Kennst du das? Du greifst nach einer Müsli-Packung im Regal und entdeckst, dass sich Schädlinge daran bedient haben. Du ziehst eine Tiefkühlpizza aus dem Tiefgefrierfach, die dort schon ewig liegt. Du bist dir nicht sicher, ist die noch „gut“? Mehr Wissen über die Lagerung gibt dir Sicherheit.
Babs und der Grießbrei
Es ist Sommer und seit einigen Wochen richtig heiß. Die 16-jährige Babs möchte sich einen Grießbrei kochen. Als sie den Küchenschrank öffnet, fliegen ihr flache Fliegen-ähnliche Insekten entgegen. Es sind nur ein paar, aber sie wird doch misstrauisch. Was finden die im Vorratsschrank interessant? Als sie ihre Mutter darauf anspricht, ist die entsetzt. „Das sind Mehlmotten“, sagt sie, „jetzt können wir unsere Getreidevorräte vergessen.“ Zusammen untersuchen sie alles, was im Küchenschrank aus Getreide oder Nüssen besteht: Reis, verschiedene Mehle zum Kuchenbacken, Nudeln, die
Tüte mit dem Grieß, eine Tüte mit edlen Walnüssen. Alle Tüten haben kleine Löcher und es rieseln kleine Krümel oder Mehlstaub daraus. Sie drehen die Tüten um, am Boden hängen spinnwebenartige Gebilde. Einige der Reiskörner in der Reistüte bewegen sich. Es sind kleine Maden, die später als Mehlmotten flügge werden wollen. Ein Horrorszenario im eigenen Küchenschrank! Babs ist der Appetit auf Grießbrei erstmal vergangen.
Babs hat die Nase voll
Babs hat die Nase voll, sie möchte so etwas nicht wieder erleben. Sie will endlich mehr darüber wissen, wie man mit Lebensmitteln richtig umgeht. Wie man sie so lagert, dass sie sich lange halten. Wie ernst man das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Lebensmittelpackungen nehmen muss. Wie man diesen unappetitlichen Schädlingsbefall von Lebensmittelvorräten verhindert. Die Lösung lautet: Lagern mit System. Und das geht so:
Das First-in-first-out-Prinzip
Das A und O für die Lagerung sind zwei Klassiker: Ordnung und Sauberkeit. Die Ordnung sorgt dafür, dass man nicht fünf Tüten Mehl hat, die jahrelang in der hintersten Ecke des Küchenschranks vergammeln. Der Profi folgt dem „First-in-first-out-Prinzip“. Alle Mehltüten, alle Müslipackungen bekommen ihren festen Platz an einer Stelle des Küchenschranks. Dort werden sie nach Mindesthaltbarkeitsdatum sortiert. Die älteste Packung kommt nach vorne, so dass man zuerst danach greift, die gerade erst gekaufte nach hinten. Ist eine Packung verbraucht, rückt die „nächst-jüngere“ nach vorne auf.
Packungen geschlossen halten
Alle Packungen werden nach Anbruch fest verschlossen, mit einem kleinen Clip (gibt es in der Haushaltswarenabteilung des Supermarktes), mit einem Gummiband oder auch mit einem Streifen Malerkrepp-Klebeband. So zieht der zarte Duft des Inhalts keine Schädlinge an.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum besagt,
dass die Lebensmittel auch über dieses Datum hinaus haltbar sein können. Nach diesem Datum ist oft das Aroma, der gute Geschmack etwas verloren gegangen. Fetthaltige Lebensmittel wie Vollkornmehl oder Nüsse werden leicht ranzig, das riecht man dann, wenn man die Nase kurz in die geöffnete Packung hält.
Das feste Verschließen der Packung bewahrt das Aroma. Gleichzeitig verhindert es, dass sich Müslikörner oder Mehl rund um die Packungen im Küchenschrank sammeln. Das riecht dann aus der Perspektive der Mehlmotte so intensiv, dass sie den Küchenschrank mühelos findet.
Ganz sicher geht, wer im Sommer Getreidevorräte doppelt einpackt, oder mehrere in eine gemeinsame zweite Verpackung, oder Getreide, Gries, Mehl und ähnliches in verschließbaren Gläsern lagert.
Nüsse und Öle kühl lagern
Nüsse sind besonders anfällig für das Ranzig werden, und dabei zu teuer und zu wertvoll, um sie bald zu entsorgen. Sie bleiben viel länger frisch, wenn sie in einer fest verschlossenen Packung oder einem Glas im Kühlschrank lagern. Das Gleiche gilt übrigens für Öle. Pflanzenöle, die nicht ständig in Benutzung sind und deshalb schnell verbraucht werden, gehören in den Kühlschrank.
Das Öl flockt im Kühlschrank etwas und wird fester, es bleibt dabei aber vollständig genusstauglich, die Flocken lösen sich außerhalb des Kühlschranks schnell auf.
Nie mehr schimmelige Marmeladengläser
Auch für die anderen lagerfähigen Lebensmittel ist das
First-in-first-out-Prinzip prima. Es schützt nämlich auch vor zig angebrochenen, teilweise verschimmelten Marmeladengläsern, vor festgeklebten Deckeln an alten Honiggläsern, vor Honig fest wie Stein, vor Dosen mit Mindesthaltbarkeitsdatum von vor 2004, vor Teevorräten, die aufgebrüht schmecken wie Abwaschwasser, weil ihr Aroma sich schon vor Jahren aus dem Staub gemacht hat. Ganz wichtig für das Aroma, also die sensiblen Geschmacksstoffe: alle Packungen fest verschließen, zum Beispiel mit einem frisch Streifen Malerkreppband oder wieder verschließbare Klipps.
Ist das Tiefkühlfach auch wirklich kalt?
Auch im Tiefkühlfach macht sich Ordnung bezahlt: Pizzen kommen zu Pizzen, Gemüse zu Gemüse, Fleisch neben Fleisch. Alles wird schön fest verpackt und nach Datum sortiert, das älteste immer nach hinten bzw. unten. Das Mindesthaltbarkeitsdatum hält, was es verspricht, wenn der Tiefkühlschrank auch wirklich kalt ist, -18 ° Celsius ist für Tiefkühlware der Standard. Das sollte man mit einem tiefkühltauglichen Thermometer (aus dem Haushaltswarengeschäft) oder mit dem eingebauten Thermometer des Gefrierfachs ruhig ab und zu prüfen.
Bei höheren Temperaturen ist die Haltbarkeit deutlich verkürzt. Eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch und Fisch sollten dann nur kurz, zum Beispiel wenige Tage eingefroren werden. Und auch andere Tiefkühl-Lebensmittel sollten zügig verbraucht werden oder die Vorräte sollten entsprechend klein sein. Das Tiefkühlfach oder der Tiefkühlschrank sind dann für eine längere Lagerung nicht geeignet. Das Eiswürfelfach ist generell für eine längere Lagerung ungeeignet.
Gewürze in der Küche – oft steinalt
Ein typischer Bereich für Uraltes in der Küche sind – Gewürze und Trockenkräuter. Gewürze und Kräuter verlieren im Lauf der Zeit an Aroma. Außerdem sind sie ein Keimfänger wegen der großen Oberfläche (viele kleine Krümel, Stücke).
Wenn du diesen Artikel gelesen hast, gehe einmal in eure Küche und mache die Bestandsaufnahme: Bei wie vielen eurer Gewürz- und Kräutertüten oder -dosen ist das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten? Wetten, dass du fündig wirst?
Wegen des hohen Risikos für eine Keim- oder Schimmelpilzbelastung bei Gewürzen und Kräutern solltest du sie nicht länger als bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum aufbewahren. Bis dahin sollten alle Tüten oder Dosen immer gut verschlossen stehen – nur so können sie deinem Essen den letzten Pfiff geben.
Mehr Infos:
Weitere coole Tipps zur Lagerung von Lebensmitteln findest du in den Artikeln
- Vorratsschädlinge -was tun? bei was-wir-essen.de
- Schimmel auf Lebensmitteln - abschneiden oder wegwerfen? bei talkingfood.de
- Schimmels schlimme Sporen bei warentest.de
- Aktuelle Infos und Artikel zu diesem Thema findest du bei TalkingFood in der Presseschau in der Rubrik Lebensmittelhygiene.
- Eine gute Recherchequelle zum Thema Lebensmittellagerung für Hausaufgaben oder Referate ist auch die TalkingFood-Datenbank.
Weitere Infos findest du auch in folgenden aid-Medien:
(Heft)
(Bilder: aid infodienst, www.pixelquelle.de, www.photocase.de)
Autor:
Stephanie Wetzel, Berlin; Redaktion: Christof Meinhold, Köln (Juli 2006)








