Stevia-Pflanze als Süßstoff noch umstritten
Verdacht auf Krebs erregende Wirkung von Stevia konnte bisher nicht ausgeräumt werden
(aid) - Süß, kalorienfrei, natürlich. Gibt es nicht? Gibt es doch. Stevia (getrocknete Blätter der südamerikanischen Pflanze Stevia Rebaudiana Bertoni) oder das daraus isolierte Steviosid könnten ein solches Wundermittel sein. In der EU sind beide jedoch als Lebensmittel nicht zugelassen und dürfen nur indirekt, z. B. als Badezusatz oder Zierpflanze angeboten werden. Stevia-Anhänger wittern dahinter eine Verschwörung der Zuckerlobby und Voreingenommenheit der EU-Kommission. Schließlich wird Steviosid in Asien seit Jahrzehnten erfolgreich als Süßstoff verwendet - bisher ohne negative Folgen.
Andererseits finanzierte die EU bis 2002 ein Forschungsprojekt zur Optimierung des Stevia-Anbaus in Europa. Dass der Antrag auf Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung 1999 trotzdem abgelehnt wurde, hat gute Gründe. So konnte der Verdacht auf die Krebs erregende oder erbgutschädigende Wirkung von Steviosid bisher nicht ausgeräumt werden. Auch der langfristige Effekt des Stevia-Konsums auf Blutdruck und Blutzucker ist unklar.
Die wissenschaftliche Datenlage ist widersprüchlich, unter anderem weil die Zusammensetzung von Stevia-Blättern je nach Sorte und Anbauweise stark variiert. Viele ältere Studien über Steviosid liegen zudem nur auf Japanisch oder Koreanisch vor, was die Bewertung erschwert.
Die für die Zulassung nachgeforderten Daten sind im Sinne des Verbraucherschutzes also notwendig, die Mittel des nicht kommerziellen Antragstellers waren jedoch begrenzt. Mittlerweile ist aber ein neuer Antrag in Vorbereitung. Käme es zu einer Zulassung unterläge Stevia dem Lebensmittelrecht und den entsprechenden Qualitätskontrollen - im Gegensatz zur augenblicklichen Situation. Wer die kalorienfreie Süße zurzeit verzehrt, tut dies auf eigene Gefahr und ist auf die Seriosität seines Lieferanten angewiesen.
aid, Dr. Margit Ritzka
Quelle:
aid infodienst, aid-PresseInfo Nr. 44/06 vom 01.11.2006
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