Klimasteuer für Fleisch und andere Denkanstöße
BMBF-Tagung zum Wandel der Konsumkultur

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(c) Susanne Beeck / Pixelio - www.pixelio.de
(aid) - Ein Strohhalm, an den sich die westliche Welt klammert, ist das Thema "erneuerbare Energien". Doch die allein helfen nicht aus dem Klimadilemma, liest man im "Bericht zur Lage der Welt 2010" des Worldwatch Institute, Washington DC. Um dem fortschreitenden Klimawandel zu begegnen, ist ein grundlegender Wandel unserer westlichen Konsumkultur erforderlich, so Erik Assadourian, der Hauptautor des Berichtes. Er hielt den Abschlussvortrag auf der Konferenz "Sustainable Consumption 2011", gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF. Kultur, so Assadourian, ist alles, was künstlich geschaffen wurde, uns aber normal und natürlich vorkommt.
So liegt es in der Natur der Menschen, dass sie essen müssen. Die Kultur aber bestimmt, was Menschen essen, seien es Maden, Heuschrecken, Kühe oder Schweine, Katzen oder Hunde, Schnecken oder Shrimps. "In Zukunft muss nachhaltiges Handeln zur Normalität werden", sagte der Psychologe und Antrophologe. Das erfordere eine Vielzahl von Maßnahmen. Möglicherweise gehören Insekten auf den Speiseplan der Zukunft, meinte er, "vielleicht brauchen wir aber auch eine Klimasteuer für Fleisch".
Tatsächlich hätte eine Fleischsteuer zahlreiche positive Effekte, so die Ergebnisse von Nuray Duman und Prof. Harald Grethe von der Universität Hohenheim. In einer explorativen Studie berechneten sie die Effekte, die ein verringerter Fleischkonsum auf Weltmarktpreise und den globalen Fleischkonsum hätte. Das Ernährungsverhalten in Industrieländern würde sich positiv verändern, Ackerland und Grünland würden frei gesetzt bzw. weniger intensiv bewirtschaftet und Entwicklungsländer hätten aufgrund sinkender Preise, die Möglichkeit mehr Fleisch und auch mehr Getreide zu konsumieren. Der Fleischverbrauch weltweit würde sich verringern, was sich positiv auf die Umwelt auswirke.
Den Konsum allein durch eine Steuer in die gewünschte Richtung zu lenken, sehen die Wissenschaftler jedoch kritisch. Um den Fleischverbrauch der Industrienationen zu senken, empfehlen sie einen Maßnahmenmix, der zum Beispiel Steuern, Verbraucherinformation, Forschung nach alternativen Eiweißquellen und Kennzeichnung beinhalten könnte. Auch Medien und Bildung müssten den Kulturwandel unterstützen, so Assadourian. Die Möglichkeiten der Medien, unsere Lebenskultur zu beeinflussen seien enorm. So sei es im Wesentlichen ein Verdienst der Tiernahrungsbranche, dass wir heute Hunde und Katzen als Familienmitglieder betrachten. Die Haltung von Haustieren gehört seiner Meinung nach auf den Prüfstand, denn zwei deutsche Schäferhunde verbrauchen mehr Ressourcen im Jahr als ein Bewohner von Bangladesch.
Auch Bildungseinrichtungen seien aufgerufen, den Kulturwandel zu fördern. "Wir müssen den Kindern wieder landwirtschaftliche und ökologische Fähigkeiten vermitteln", sagte Assadourian. "Im besten Fall werden unsere Kinder dünner, wenn sie im Garten arbeiten. Im schlechtesten Fall bringen wir ihnen bei, wie man Nahrung erzeugt. Das wird künftig den größten Teil unserer Wirtschaft ausmachen, wenn die fossilen Ressourcen erschöpft sind".
Gesa Maschkowski, www.aid.de
Quelle:
aid infodienst, aid-PresseInfo Nr. 48 vom 30.11.2011
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