"Wer schlechtes Fleisch in Umlauf bringt, soll öffentlich genannt werden"
Interview zum Fleischskandal mit Bundesminister Horst Seehofer
Interviewte Person(en): Horst Seehofer
Reporter: Katharina Ugowski
BILD: Haben Sie das Problem "vergammelt", Herr Seehofer?
Seehofer: Den Verantwortlichen für solche Skandale kann man nur beikommen, wenn Bund und Länder an einem Strang ziehen. Die Länder haben nicht alle unsere Angebote aufgegriffen.
BILD: Können Sie verstehen, dass die Leute den Politikern nicht mehr glauben?
Seehofer: Natürlich. Deswegen müssen wir die Kontrollen in den Ländern deutlich verbessern. Kriminelle Machenschaften lassen sich nicht nur durch Gesetze verhindern. Sie müssen schnell entdeckt werden, und die Verantwortlichen müssen die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.
BILD: Trauen Sie sich selbst noch, Fleisch zu essen?
Seehofer: Frisches Fleisch hat in Deutschland einen hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandard. Das kann man mit Genuss essen. Bei verarbeiteten Produkten, auch bei Dönern, ist wohl mit Gammelfleisch betrogen worden. Auch wenn bisher noch keine Gefahr für die Gesundheit bestand, muss sich jeder, der solche Produkte verkauft, fragen lassen, von wem er mit welchen Garantien für Frische seine Ware kauft. Das Billigste ist in der Regel nicht das Beste!
BILD: Warum werden Gammelfleisch-Händler nicht öffentlich angeprangert?
Seehofer: Genau das soll sich durch das neue Verbraucherinformationsgesetz ändern. Wer schlechtes Fleisch in Umlauf bringt, soll öffentlich genannt werden.
BILD: Wann gibt es endlich höhere Strafen für die Fleischmafia?
Seehofer: Bevor wir über höhere Strafen reden, sollte das Strafmaß erst einmal ausgeschöpft werden. Für Verstöße gegen das Lebensmittelrecht sind Gefängnisstrafen bis zu fünf Jahren möglich. Ich denke, dass die Gerichte hier im Sinne der Verbraucher härter vorgehen könnten. Außerdem können Gammelfleisch-Händler Berufsverbote bekommen. Davon haben die Länder bisher offenbar viel zu wenig Gebrauch gemacht.
Quelle:
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Interview vom 05.09.2006
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