Unterricht mit der aid-Ernährungspyramide in der 5. bis 8. Klasse
Anschaulicher Ernährungsunterricht
„Mein Lieblingsgericht? Nudeln!“ „Ich mag am liebsten Pommes.“ „Und ich Pizza.“ Befragt man Kinder und Jugendliche nach ihren Lieblingsgerichten, fallen die Antworten ziemlich eindeutig aus. Nudeln, Pommes frites und Pizza sind besonders beliebt. Ihre Lieblinge werden Kinder auch nach dem Ernährungsunterricht weiter essen wollen.
Essen ohne Tabus als pädagogische Strategie
Im Ernährungsunterricht kann erarbeitet werden, dass
- diese Lebensmittel neben einigen negativen Aspekten aber auch gute Seiten haben,
- dass es von der Art der Zubereitung abhängt, wie wertvoll sie für die Ernährung sind und
- dass sie in einer gesunden Ernährungs-Mischung ihren verdienten Platz haben.
Das Gute an der Strategie, diese Lieblingsgerichte mit einzubeziehen: Die Kinder entwickeln keinen Widerstand gegen die Ernährungsmaximen im Unterricht. Über ihre Lieblings-Lebensmittel wird sachlich aufgeklärt, sie werden nicht stigmatisiert. Diese Strategie zahlt sich aus, wenn die Kinder dem Grundschulalter entwachsen und als Jugendliche selbständig – und in Abgrenzung zu den Erwachsenen – an das Thema Ernährung herangehen.
Wie kann die aid-Ernährungspyramide hierbei unterstützen?
Die aid-Ernährungspyramide ist ideal, um Kindern und Jugendlichen die Zusammenstellung ihrer eigenen Ernährung selbständig an die Hand zu geben. Mit ihrer Hilfe können 10- bis 14-jährige Schüler/-innen ihre Ernährung unter die Lupe nehmen. Sie sehen anschaulich:
- Gesund essen ist keine Frage der von Erwachsenen erwünschten und verbotenen Lebensmittel.
- Gesunde Ernährung ist eine Frage von Prioritäten.
- Süßigkeiten und fette Snacks gehören zum Essen dazu. Das ist ja auch bei Erwachsenen so. Aber sie machen dick oder führen zu einer zwar kalorienreichen, aber nährstoffarmen Ernährung, wenn sie am Tag überhand nehmen.
Die aid-Ernährungspyramide weist den Lebensmittelgruppen unterschiedlich viele Felder zu. Viele Felder bedeuten viele Portionen als Tagesideal, wenige Felder bedeuten eine oder wenige Portionen am Tag als Ideal. Die Ampelfarben Grün, Gelb, Rot unterstützen diese Symbolik: Grün bedeutet „reichlich“ als Priorität, Gelb bedeutet „mäßig“ und Rot bedeutet „sparsam“.
Die Ernährungsprioritäten für Kinder lauten:
| Genieße maximal | 1 Portion | Süßes, fette Snacks, gezuckerte Getränke |
| Verwende sparsam | 2 Portionen | Zubereitungs- und Streichfett |
| Genieße maßvoll | 3 +1 Portionen | Milch, Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Ei, Wurst/Aufschnitt |
| Iss dich satt an | 4 Portionen | Brot, Beilagen, Getreide |
| Iss dich satt an | 5 Portionen | Obst, Gemüse, Salat und Rohkost |
| Lösche Durst mit | 6 Portionen | Getränke |
Legende:
Ausgewählte Portionsgrößen (Beispiel für 10- bis 12-Jährige):
- 1 Portion Getränk = 1 Glas (170 ml)
- 1 Portion Gemüse und Salat = je 1 bis 2 Hände voll (85 g)
- 1 Portion Obst = je 1 bis 2 Hände voll (125 g)
- 1 Portion Brot = 1 Scheibe (85 g)
- 1 Portion Beilagen = 2 Hände voll (270 g)
- 1 Portion Milchprodukt = 1 Glas Milch (220 ml), 1 Becher Joghurt (150 g), 1 Scheibe Käse (30 g)
- 1 Portion Fleisch = 1 Handteller (170 g)
- 1 Portion Fett/Öl = 1,5 Esslöffel (17 g)
- 1 Portion Süßes/Snacks = 1 Stück, 1 Hand voll
Die Mengenangaben andere Altersgruppen sowie weitere Erläuterungen zum Portionenkonzept können Sie im Heft "Die aid-Ernährungspyramide" (Bestellnr. 3899) nachlesen.
Mit der aid-Ernährungspyramide im Unterricht arbeiten
Die aid-Ernährungspyramide lässt sich vielfältig im Unterricht nutzen:
1. Komplexe Gerichte den einzelnen Stufen zuordnen

Die Schüler/-innen essen keine einzelnen
Lebensmittel (-gruppen), sondern zusammengesetzte Gerichte. Auch Erwachsenen fällt es schwer, diese Gerichte komplett in einzelne Zutaten aufzusplitten und die Zutaten den Feldern der aid-Pyramide sicher zuzuordnen.
Erstes Beispiel: Die Pizza, sie besteht aus Getreideprodukt Gemüse, Fleisch/Fleischprodukt oder Fisch, Käse und eventuell etwas Öl. Welchen Stufen der aid-Ernährungspyramide sie zugeordnet werden kann, liegt auf der Hand, aber nicht in welchen Mengenverhältnissen. Entspricht der Pizzaboden nun einer Scheibe oder zwei Scheiben Brot? Ist mit dem Käse auf der Pizza das Milchprodukt-Soll erfüllt?
Zweites Beispiel: Milchreis mit heißen Kirschen. Er besteht aus Milch, hellem Reis, Kirschkompott und Zucker als nährstoffhaltigen Zutaten. Mit Milch, Getreideprodukt und Obst sind die wichtigsten Felder der aid-Ernährungspyramide repräsentiert.
In Gruppen kann die Klasse Zuordnungen vornehmen, über Mengenverhältnisse diskutieren und ihre Entscheidung gegenüber dem Rest der Klasse begründen.
2. Am Beispiel von Schülergerichten Wissen über die Lebensmittel sammeln

An der Pizza entspinnt sich eine weitere Diskussion: Gehört der Teig eigentlich in die wichtigste Pyramidenstufe nach den Getränken? Ist er trotz des hellen Mehls wertvoll für die Ernährung, und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? Wie wichtig wird die Klasse Vollkornprodukte bewerten, nachdem sie mehr über den Unterschied im Vitamin- und Mineralstoffgehalt zwischen hellem Mehl und Vollkornmehl weiß?
Auch der Milchreis mit Kirschen ist diskussionswürdig: Wieder handelt es sich um hellen Reis. Ist der überhaupt wirklich nahrhaft? Und sollte der Kompott frisch hergestellt sein, damit er die Zuordnung zum Obst verdient? Je nach Klassenstufe kann die Diskussion um die Qualität der Zutaten und die Zuordnung zu den Pyramidenstufen unterschiedlich differenziert geführt werden.
3. Die eigene Ernährung mit Hilfe der aid-Ernährungspyramide komplettieren

Dann können die Schüler/-innen die aid-Ernährungspyramide dazu benutzen, um sich für bestimmte Ernährungsziele einen optimalen Ernährungstag zusammen zu stellen. Zuerst legen die Schüler/innen individuelle Ernährungsziele fest: „Es soll mir schmecken.“ „Ich will auch gesund essen.“ „Ich will fit beim Fußball spielen sein.“ „Ich will nicht dick sein.“ Rund um den Milchreis mit Kirschen rankt sich dann ein Rohkostteller, eine Banane, einige Vollkornbrotscheiben mit Käse oder fettarmem Aufschnitt und reichlich Wasser zum Trinken.
4. Pyramidengerechte Lieblingsspeisen kreieren und zubereiten
Anschließend kann die Klasse daran gehen, pyramidengerechte Lieblingsgerichte zusammen zu stellen, Rezepte zu schreiben, die Zutaten zusammen zu stellen und Speisen herzustellen. Es entsteht ein Büffet mit den Lieblingsgerichten der Schüler. Die Schüler stellen pyramidengerechte Teller zusammen. Die Pommes frites bekommen einen knackigen, gemischten Salat dazu. Die Nudeln werden mit einer frischen Tomatensoße zubereitet und mit Kräutern verfeinert. Zum Nachtisch gibt es eine Obst-Quarkspeise.
5. Das Arbeitsergebnis öffentlich machen
Die Schüler können mit ihren Rezeptideen zur aid-Kinderpyramide ein Kochbuch gestalten, ihre Ideen in das Schulkiosk einbringen, auf einem Schulfest als Caterer mitwirken oder die Arbeitsergebnisse malen, schreiben, fotografieren oder basteln und ihren Mitschülern als Ausstellung präsentieren.
Dies ist eine Idee, die aid-Kinderpyramide im Unterricht spielerisch zu verwenden. Besonders viele Ideen bietet das Heft Clever essen und trinken mit der aid-Ernährungspyramide. Baustein für erlebnisorientiertes Lernen in der Grundschule, das auch mit Schülern bis zur 6. Klasse eingesetzt werden kann.
Lesen Sie mehr in diesem Beitrag auf www.aid.de:
Weitere Anregungen für Ihren Unterricht finden Sie in den aid-Medien:
Die aid-Ernährungspyramide - Richtig essen lehren und lernen
(Heft)
Clever essen und trinken mit der aid-Ernährungspyramide
(Unterrichtsmaterial, bis Klasse 6)
Wie viel esse ich? Portionen und Portionsgrößen
(Unterrichtsmaterial, Klasse 5 bis 7)
(Bilder: aid und www.photocase.com)
Autor:
Stephanie Wetzel, Berlin; Redaktion: Christof Meinhold, Köln (April 2005, aktualisiert September 2009)








