Hygieneregeln: Besser als jede Vitamintablette!
Persönliche Hygieneregeln schützen vor Infektionen

"Bei uns fehlt ein Drittel der Klasse. Alle haben den derzeit grassierenden Darminfekt." Solche Sätze fallen in Schulen häufiger. Einfache Hygieneregeln helfen zu verhindern, dass Sie als Lehrer krank werden oder ein Großteil der Klasse mit derselben Infektion "flachliegt".
Sie spüren ein Rumoren im Darm. „Habe ich mir schon wieder ein Darm-Virus eingefangen oder etwas Falsches gegessen?“, fragen Sie sich. Gerade in Einrichtungen, in denen viele Menschen aufeinander treffen, wie in der Schule, verbreiten sich Krankheiten sehr schnell auf eine größere Gruppe.
Krankheitserreger werden übertragen:
- bei einer Kontaktinfektion (z. B. wenn Ihnen jemand die Hand gibt),
- durch eine Tröpfcheninfektion (schon weniger höflich: wenn Sie jemand anniest oder anhustet),
- in dem Sie Lebensmittel essen, in denen Krankheitserreger enthalten sind (z. B. auch durch Händekontakt mit dem Essen oder durch Anniesen möglich!),
- durch fäkal-orale Schmierinfektion (eigentlich richtig „unhygienisch“: wenn sich jemand nach dem Toilettengang nicht die Hände wäscht und so einen Durchfallerreger über die Hände oder über den Kontakt mit Lebensmitteln, die von anderen gegessen werden, überträgt).
Dann hängt es von der Stärke des Krankheitserregers („Virulenz“), der Dosis an Keimen („Infektionsdosis“) und den Abwehrkräften des Organsimus ab, ob eine Infektion eintritt.
Hände waschen nicht vergessen
Die wichtigste Maßnahme, um sich vor Erregern zu schützen, ist das Händewaschen. Richtiges Händewaschen heißt:
- Waschen unter fließendem Wasser, am besten aus einem „berührungslosen Hahn“, also einem Hahn, der nicht angefasst werden muss,
- mit Seife aus einem Seifenspender,
- und Abtrocknen der Hände mit einem Einweg-Handtuch, z. B. aus Papier.
In deutschen Schultoiletten sei dagegen Seife Mangelware, beobachtet Professor Dr. Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Universität Bonn. „Die Kommunen sparen an der falschen Stelle“, findet der Hygiene-Experte. Könne ein Schüler mit Durchfall sich auf der Toilette nicht mit Seife die Hände waschen, verteile er Erreger massenhaft auf Tische, Bänke und an Türklinken.
Händewaschen könne die Gefahr einer Durchfallerkrankung nahezu halbieren, weiß Exner aus Studien.
Keimquellen sind Türklinken, Griffe von Wasserhähnen und Seifenstücke. In Schulen sollten keinesfalls Stoffhandtücher hängen, die dann von mehreren Menschen benutzt werden.
Handwischlappen in der Klasse sollten häufig ausgetauscht und dazwischen zum Trocknen aufgehängt werden.
Das Händewaschen empfiehlt sich auch, wenn Sie aus der Schule nach Hause kommen oder bevor Sie in der Pause zum Pausenbrot greifen. Über Ihre Hände stecken Sie sich sonst die in der Zwischenzeit anhaftenden Bakterien mit der Mahlzeit direkt in den Mund. Dann muss Sie noch nicht einmal jemand unhöflich anhusten oder anniesen, um Ihnen die Bakterien aufzuhalsen.
In diesem Sinne sollten auch die Schüler angehalten werden. Sich die Hände zu waschen ist selbstverständlich, bei gemeinsamen Ausflügen oder Klassenfahrten, wenn jemand zur Toilette geht oder bevor gemeinsam gekocht oder gegessen wird.
Händewaschen schadet nicht der Haut, wenn pH-neutrale oder milde Seifen verwendet werden.
Die Schule schützen
Ein weiterer Schutz besteht darin, der Schule fern zu bleiben, wenn man schwerwiegender erkrankt ist. Lehrer und andere Mitarbeiter der Schule und Schüler[1] dürfen laut Infektionsschutzgesetz die Schule nicht betreten, wenn sie
- sich mit Kopfläusen angesteckt haben,
- an bestimmten Durchfallerkrankungen leiden oder
- an Mumps, Windpocken oder anderen schwereren Infekten erkrankt sind.
Nähere Bestimmungen finden sich im Infektionsschutzgesetz, es ist unter www.bundesrecht.juris.de (PDF-Download 156 KB) kostenlos herunterladbar.
Aufmerksamer Umgang mit Lebensmitteln
Ein drittes Thema, das oben herausklingt, ist der aufmerksame Umgang mit Lebensmitteln in der Klasse:
Leicht verderbliche Lebensmittel (Desserts mit Milchprodukten usw.), die z. B.
anlässlich eines Klassenfestes angeboten werden, müssen kühl lagern, zubereitete Speisen im Kühlschrank (bei höchstens +7 ° C zwischenlagern, von Zeit zu Zeit Temperatur messen!).
Sie müssen mit Folie abgedeckt sein, bevor sie verzehrt werden (z. B. an einem Buffet), sie sollten nicht länger als eine halbe Stunde ungekühlt im Klassenraum stehen.
Die Menschen, die Lebensmittel zubereiten oder mit ihnen umgehen, müssen grundlegende Hygieneregeln kennen und beachten.
Bei Eltern oder Schülern, die Speisen für ein Klassenfest vorbereiten, können Sie die Kenntnis dieser Hygieneregeln nicht voraussetzen.
Verzichten Sie deshalb für Buffets und Feste auf die Herstellung von hygienisch kritischen Speisen wie:
- Hackfleischfrikadellen (mit rohem Ei und rohem Hackfleisch!),

- Mettbrötchen,
- Pudding (mit Ei untergerührt nach Hausfrauenart), Mousse au chocolate, Tiramisu,
- Creme- und Sahnetorten.
Der Umgang mit leicht verderblichen Lebensmitteln wie Hackfleisch oder rohen Eiern stellt ein hohes Infektionsrisiko dar.
Weichen Sie auf eher unproblematische Lebensmittel aus, z. B. auf belegte Brote mit Schnitt- oder Hartkäse oder frisches Obst und Gemüse mit Tomaten-Salsa und Blechkuchen aus Hefe- oder Rührteig mit Obst. Verwenden Sie Fleisch, das von Profis zubereitet wurde (Hackfleischfrikadellen z. B. vom Metzger). Es ist aus hygienischer Sicht sicherer.
Eigene Abwehrkräfte stärken
Zum Schluss darf die Unterstützung Ihrer eigenen Abwehrkräfte nicht fehlen.
Einfache Gesundheitsregeln sind hier: Heizen Sie Räume im Winter weniger warm, gehen Sie regelmäßig an die frische Luft. Essen Sie im Wochendurchschnitt ausgewogen: mit täglichen Gemüse-, Obstportionen, fettärmeren Milchprodukten, Vollkornprodukten, etwas Fisch oder Fleisch, hochwertigem Pflanzenöl. Trinken Sie mindestens 1,5 Liter Wasser, Saftschorlen oder andere kalorisch leichte Getränke am Tag.
Fazit
Mit all diesen Tipps gewappnet – teilweise Umsetzung vorausgesetzt – dürften Sie viele Infektionen vermeiden und auf die vermeindlich wichtige Vitamintablette verzichten können.
Links zum Thema:
- Auf den Seiten www.aid-macht-schule.de findet man über den Suchbegriff „Hygiene“ zahlreiche Medien für den Unterricht bei unterschiedlichen Altersgruppen.
- Auf den Internetseiten des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen finden Sie hier ein Faltblatt und eine Broschüre zum hygienischen Umgang mit Lebensmitteln und zur hygienischen Speisenproduktion bei Festen.
- Unter www.aid.de sind die Hygieneanforderungen in Kitas und Schulen im Überblick dargestellt.
- Ergänzend informiert das Robert-Koch Institut über „Infektionskrankheiten von A-Z“ und das Infektionsschutzgesetz unter www.rki.de.
- Nicht zuletzt bietet auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Hintergrundinformationen zur Lebensmittelsicherheit und zum gesundheitlichen Verbraucherschutz unter www.bfr.bund.de.
Weitere Informationen finden Sie auch in den folgenden aid-Medien:
(Heft)
(Heft)
Infektionsschutz in Kindertagesstätte und Schule
(Heft)
(Poster)
(Unterrichtsmaterial, Klasse 5 bis 7)
[1] Hier ist jeweils auch die weibliche Form gemeint.
(Fotos: aid infodienst, www.photocase.com)
Autor:
Stephanie Wetzel, Berlin; Fachliche Beratung Ute Gomm, aid infodienst; Redaktion: Christof Meinhold, Köln (Januar 2007)










