Funktionelle Lebensmittel
Gesundheit aus dem Supermarkt
Dieser Beitrag gibt Hintergrundwissen für den Unterricht rund um das Thema functional food: Was ist functional food, was sagt das Lebensmittelrecht dazu, was verspricht die Werbung und sind sie überhaupt nötig?
Das Thema Gesundheit spielt auch für Schüler und Lehrer bei der Auswahl ihrer Lebensmittel eine zunehmende Rolle. Einer Studie des Axel-Springer-Verlages zufolge achten 66 % der Verbraucher auf eine gesunde Ernährung. Lebensmittel, die mit gesundheitsfördernden Wirkungen beworben werden, liegen deshalb im Trend. Werbeslogans wie „ein täglicher Beitrag zu Ihrer Gesundheit“, „hilft nachweislich, den Cholesterinspiegel zu senken“ oder „Guten Morgen Gesundheit“ sind heutzutage gang und gäbe. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lebensmitteln soll diese Art von Lebensmitteln dem Körper nicht nur Nährstoffe liefern und Genuss bereiten, sondern auch eine positive Wirkung auf die Gesundheit ausüben. Im internationalen Sprachgebrauch werden Lebensmittel, die gezielt Körperfunktionen günstig beeinflussen sollen, als functional food, also funktionelle Lebensmittel, bezeichnet.
Vorreiter für die Entwicklung funktioneller Lebensmittel war Japan. In der asiatischen Kultur ist der Gedanke, dass man seine Gesundheit oder seine Stimmung durch bestimmte Lebensmittel gezielt beeinflussen kann, tief verwurzelt. Der japanische Gesundheitsminister sah hierin einen Weg, den steigenden Gesundheitskosten entgegen zu wirken, und förderte die Entwicklung dieser Produktgruppe.
Die ersten Lebensmittel auf dem deutschen Markt, die mit einem besonderen gesundheitlichen Nutzen beworben wurden, waren im Jahr 1996 zwei probiotische Produkte (Nestlé LC1 und Yakult). Obwohl der Begriff „probiotisch“ für die meisten Verbraucher zunächst fremd war, verzeichnete diese Produktgruppe sehr schnell hohe Wachstumsraten. Heute ist das Angebot an funktionellen Lebensmitteln kaum zu überblicken.
Tab.: Angebot an funktionellen Lebensmittel in Deutschland
| Funktionen | Wirksubstanzen | Beispiele |
| Verbesserung der Funktion des Magen-Darm-Traktes | probiotische Milchsäurebakterien, präbiotisch wirkende Ballaststoffe | Milchprodukte, Müslis, Brot u. Backwaren, Säuglingsnahrung |
| Optimierung des antioxidativen Schutzsystems | Vitamine E und C, Beta-Carotin | ACE-Getränke, Müslis |
| Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen | Omega-3-Fettsäuren, Phytosterine | Margarine, Öl, Milchprodukte, Brot, Eier, Erfrischungsgetränke |
Was sind Probiotika?
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die mit der Nahrung aufgenommen werden und in ausreichender Menge und aktiver Form in den Darm gelangen. Es handelt sich in der Regel um bestimmte Stämme von Milchsäurebakterien, die die Passage durch Magen und Dünndarm zu einem großen Teil überleben, weil sie besonders widerstandsfähig gegenüber Säuren sind. Sie siedeln sich vorübergehend im Darm an, produzieren dort Milchsäure und antimikrobielle Substanzen. Dies hemmt das Wachstum unerwünschter Bakterien in der Darmflora, was sich sich positiv auf die Darmfunktionen und die Abwehrkräfte auswirken kann. Die Darmflora besteht aus etwa 100 Billionen (1014) Mikroorganismen, die wie ein Rasen die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes besiedeln. Sie schützen die größte Kontaktfläche des Körpers zur Außenwelt vor dem Eindringen krankheitserregender Mikroorganismen.
Was sind Präbiotika?
Ebenso wie Probiotika zielen Präbiotika darauf ab, die Darmflora zu verbessern. Es handelt sich um unverdauliche Stoffe, die nur von ganz bestimmten Bakterienarten der Darmflora, vor allem von Bifidobakterien, abgebaut werden. Durch die regelmäßige Zufuhr von Präbiotika erhalten die als vorteilhaft angesehenen Bifidobakterien einen Wachstumsvorteil gegenüber anderen Bakterien der Darmflora. Dadurch verändert sich das Darmmilieu positiv und die Aufnahme von Mineralstoffen aus dem Darm wird verbessert.
Was bedeutet ACE?
Der Begriff „ACE“ leitet sich von den Vitaminen A, C und E ab, wobei das Vitamin A nicht in seiner aktiven Form, sondern als Provitamin A (Beta-Carotin) zugesetzt wird. Die Vitamine C und E sowie das Beta-Carotin zählen zu den natürlichen Antioxidantien. Das sind Substanzen, die aggressive Sauerstoffverbindungen – sogenannte „freie Radikale“ – abfangen können. Freie Radikale gelten als Mitverursacher von zahlreichen Erkrankungen. Sie fördern z. B. die Entstehung von Krebs und Arteriosklerose. Eine hoher Anteil an Gemüse und Obst in der Ernährung kann bekanntlich vor der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs schützen. Ein Teil dieser Schutzwirkung wird auf Antioxidantien zurückgeführt. ACE-Getränke haben allerdings im Vergleich zu herkömmlichen Fruchtsäften, wie rotem Traubensaft, Orangensaft und Johannisbeernektar, ein relativ geringes antioxidatives Potential.
Was sind Omega-3-Fettsäuren?
Omega-3-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren mit einem besonderen Aufbau.
Sie können vom Körper nicht selbst synthetisiert werden, sind aber wichtige Bestandteile von Zellwänden, insbesondere von Nervenzellen. Außerdem dienen sie als Ausgangsstoff für hormonähnlich wirkende Substanzen, die bei der Blutgerinnung, der Regulierung des Blutdrucks und bei Entzündungsreaktionen eine wichtige Rolle spielen. Produkte mit Omega-3-Fettsäuren werden häufig mit der Botschaft „schützt das Herz“ beworben, weil sie einen günstigen Einfluss auf die Blutfettwerte und auf die Fließeigenschaften des Blutes ausüben. Die beste Quelle für Omega-3-Fettsäuren sind fettreiche Kaltwasserfische, wie Hering, Lachs und Makrele. Die Gehalte in funktionellen Lebensmitteln sind vergelichsweise gering.
Was sind Phytosterine?

Phytosterine sind Substanzen, die eine starke Ähnlichkeit mit dem Cholesterin aufweisen. Während Cholesterin ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt, finden sich die Phytosterine nur in pflanzlichen Lebensmitteln. In verschiedenen klinischen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass sich erhöhte Cholesterinspiegel durch eine hohe Aufnahme an Phytosterinen senken lassen. Diese Wirkung beruht darauf, dass Cholesterin und Phytosterine in der Darmschleimhaut um die gleichen Transportmechanismen konkurrieren. Produkte mit Phytosterinen sind jedoch nur geeignet für Patienten mit erhöhtem Cholesterinspiegel im Rahmen einer insgesamt cholesterinbewussten Ernährung. Eine prophylaktische Einnahme ist nicht sinnvoll.
Was sagt das Lebensmittelrecht?
Grundsätzlich gelten für funktionelle Lebensmittel die gleichen gesetzlichen Anforderungen wie für herkömmliche Lebensmittel.
Funktionelle Lebensmittel weisen jedoch eine Besonderheit auf: Die Hersteller wollen die Verbraucher über die spezifischen gesundheitlichen Wirkungen ihrer Produkte informieren. In diesem Punkt setzt das geltende Lebensmittelrecht jedoch enge Grenzen, denn Aussagen, die einen Zusammenhang zu Krankheiten herstellen, sind für Lebensmittel verboten. Es gibt aber derzeit Bestrebungen auf EU-Ebene, das Lebensmittelrecht in dieser Hinsicht zu verändern. Krankheitsbezogene Angaben sollen erlaubt werden, wenn sie wissenschaftlich nachprüfbar sind und von einer Europäischen Behörde zugelassen wurden. Aussagen, die nicht nachprüfbar sind, wie z. B. „hält jung“ oder „verbessert das Gedächtnis“ sollen verboten werden.
Sind funktionelle Lebensmittel notwendig?
In einer vollwertigen Ernährung sind funktionelle Lebensmittel nicht unbedingt erforderlich, denn mit einem abwechslungsreich zusammengesetzten Speiseplan mit einem hohen Anteil an Gemüse,
Obst, Getreide- und Milchprodukten werden in der Regel alle notwendigen Inhaltsstoffe in ausreichender Menge aufgenommen. Funktionelle Lebensmittel können aber einen Beitrag zu einer gesunden Ernährung leisten, wenn sie gezielt eingesetzt werden, z. B. Probiotika bei Störungen der Darmfunktionen oder Phytosterine für Patienten mit erhöhtem Cholesterinspiegel. Sie können jedoch eine insgesamt ungünstige Lebensmittelauswahl und einen ungesunden Lebensstil nicht ausgleichen. Für die langfristige Erhaltung der Gesundheit spielt das allgemeine Ernährungsverhalten eine wesentlich größere Rolle als die Auswahl spezieller Lebensmittel.
Weitere Informationen bietet unsere Hompage:
- Talkingfood Presseschau: Suche nach aktuellen Meldungen zu Funktionellen Lebensmitteln
- Talkingfood-Datenbank: Suche zu wichtigen Dokumenten zu Funktionellen Lebensmitteln
Schülertext auf talkingfood.de:
Funktionelle Lebensmittel am Beispiel der ACE-Getränke
Debattenspiel
Ein spannendes Debattenspiel zu den Themen alternative Landwirtschaft und moderne Biotechnologie ist: Future Food online.
Der aid infodienst bietet folgende Informationen:
- Wie lautet die Definition für "Funktionelle Lebensmittel"? Bisher gibt es keine genaue gesetzliche Definition. Auf www.was-wir-essen.de erfahren Sie mehr.
- Das Pro und Contra für die Lebensmittel mit Zusatznutzen beleuchtet diese aid-Folie. Hier als kostenlose Leseprobe! PDF öffnen (77 kb)
Medien:
Weitere Tipps, Ideen und Anregungen für Ihren Unterricht finden Sie auf www.aid-macht-schule.de und in aid-Medien wie:
Funktionelle Lebensmittel - Obst, Gemüse oder Pillen?
(Unterrichtsmaterial, Klasse 9 und 10)
Funktionelle Lebensmittel - Energydrinks
(Unterrichtsmaterial, Klasse 9 und 10)
(CD-ROM)
(Fotos: aid)
Autor:
Dr. Maike Groeneveld, Bonn; Redaktion: Christof Meinhold, Köln (Februar 2006)








