"Wir machen das" – Schulkiosk in Eigenregie
Schulkiosk als Lehrer- oder Elterninitiative – Was ist bei der Planung zu beachten?
Schulmilch, belegte Brote, sogar warme Mahlzeiten – ein ernährungsphysiologisch hochwertiges Angebot geht nicht selten auf die Initiative engagierter Lehrer oder Eltern zurück. Lehrer, Eltern oder auch der Pächter eines Schulkiosks werden dabei zu Lebensmittelunternehmern. Was das heißt, lesen Sie im folgenden Beitrag.
Ohne Engagierte läuft nichts an Schulen
Ohne engagierte Lehrer oder Eltern sähe das Essensangebot an Schulen vielerorts schlechter aus. Eltern leisten unzählige unbezahlte Arbeitsstunden, um Schulmilch auszugeben, Lebensmittel aus dem eigenen Garten in die Schule zu schaffen oder belegte Brote für ein Schulkioskangebot herzustellen. Lehrer betreiben zusammen mit Schülern ein Schülercafé und eröffnen damit Schülern ein lebensnahes Lernfeld. Hausmeister sind ebenfalls an der Schulverpflegung beteiligt, sie geben Schulmilch aus oder bieten Snacks am Schulkiosk an.
Engagiert, aber unerfahren?
Sie alle sind – wenn nicht Engagement und Beruf zufällig zusammen fallen, z. B. wenn eine Diätassistentin sich als Mutter an einer Schule engagiert oder wenn ein Lehrer eine hauswirtschaftliche Ausbildung mitbringt – eigentlich Ernährungs- und Verpflegungs-Laien. „Na und?“, mag man sich hier fragen. „Hauptsache, die Kinder bekommen in der Schule etwas zu essen.“

Hintergrund eines Verpflegungsangebots ist häufig,
- dass ein Angebot in der Schule bisher völlig fehlt,
- dass das bisherige Angebot aus Sicht der Eltern oder Lehrer z. B. nicht zufriedenstellend ist (zu geringe Vielfalt, eingeschränkte Angebotszeiten, Stellenwert als gesund angesehener Lebensmittel zu gering).
In sozialen Brennpunkten springt das Frühstücksangebot eines Lehrer-Schülercafés z. B. für das fehlende Frühstück der Kinder zu Hause ein.
Ziel: ein besseres Angebot
Ziel des Speisenverkaufs ist es, den Kindern Mahlzeiten anzubieten, die sie leistungsfähig während eines Schultages machen.
Wichtig also für alle, die ein Pausenkiosk oder -Café betreiben ist die Auseinandersetzung mit der Frage: Was gehört eigentlich dazu?
Welche Lebensmittelgruppen sollten besonders häufig vertreten sein, welche seltener? Wie stellt sich der Schulkiosk zu gemeinhin als weniger positiv angesehenen Softdrinks und süßen Snacks?
1. Ernährungsempfehlungen studieren
Umfassende Informationen zu den Ernährungsempfehlungen für die Schulverpflegung liefern der aid infodienst (www.aid.de) oder das Forschungsinstitut für Kinderernährung (www.fke-do.de ). Auf aid.de werden wertvolle Tipps bei der Einführung eines Verpflegungsangebots vermittelt. Das Forschungsinstituts zeigt anhand von Pyramiden welche Lebensmittel zu welcher Tageszeit dominieren sollten. Beide Institutionen halten weiterführende Medien für die Gestaltung von Schulverpflegung bereit.
2. Spezielle Ländervorgaben berücksichtigen
Die nächste wichtige Informationsquelle sind die Kultusministerien der Bundesländer. Jedes Kultusministerium hält Erlasse oder Empfehlungen zur Schulverpflegung bereit. Einige Bundesländer bieten auf den Internetseiten für jeden einfach zugänglich umfassende Informationen zum Thema „Gesundheit bzw. Ernährung und Schule“, z. B. Hessen mit Schule und Gesundheit oder Nordrhein-Westfalen mit dem Landesprogramm Bildung Gesundheit , derer man sich natürlich auch in einem anderen Bundesland bedienen kann. Was 2007 in jedem Bundesland seitens der Kultusministerien verfügt wurde, ist in dem Dossier „Tafelfreuden – Das Essen an deutschen Schulen?“ des Verbraucherzentrale Bundesverbands enthalten.
Was aber, wenn Sie zwar inhaltlich ein perfektes Angebot geplant haben, Ihnen das aber keiner abnehmen will?
3. Bewusstsein bei allen Beteiligten schaffen
Ein ausgewogenes Speisenangebot hat nur dann eine Chance, wenn die Schüler im Unterricht darauf vorbereitet werden.
Dass ein ausgewogenes Angebot von einem Schulkiosk ausgeht, muss von den Schülern, Lehrern und Eltern mitgetragen werden. Ist das nicht der Fall, weichen die Schüler auf Verpflegungsangebote rund um die Schule aus. Sie holen sich beim Bäcker ihren Kuchen und am Imbissstand ihre Portion Pommes frites.
Viele Verpflegungsangebote in der Schule kranken an einer geringen Beteiligung durch Schüler und Lehrer. Gelungenen Beispielen ging immer eine intensive Kommunikationsarbeit mit allen Beteiligten über Schulbefragungen, Schulkonferenzen zum Thema und Unterrichtseinheiten voraus.
Sie haben also ein hervorragendes Angebot geplant, Sie haben sich durch Beispiele anderer Schulen zu einer umfassenden Bildungsarbeit zum Thema Ernährung inspirieren lassen – welche Falle gibt es aus Ernährungssicht außerdem zu meistern?
Engagierte werden zu Lebensmittelunternehmern
Mit dem Angebot eines Lebensmittelverkaufs als Engagierter an der Schule haben Sie es mit dem hochsensiblen, „lebendigen“ Produkt Lebensmittel zu tun und wissen unter Umständen wenig darüber, wie man es professionell lagert und damit im Speisenverkauf umgeht, von der Zubereitung ganz zu schweigen.
Sie sind aber jetzt für die Gesundheit anderer Menschen verantwortlich, in dem Sie ihnen Lebensmittel, z. T. als leicht verderbliche Speisen anbieten.
Diese können durch falsche Lagerung oder Zubereitung genussuntauglich geworden sein und in der Schule viele Menschen auf einmal krank machen.
Entsprechend Ihrer Verantwortung werden Sie von der amtlichen Lebensmittelüberwachung auch betrachtet. Sie sind jetzt nicht mehr nur engagierter Lehrer, Mutter oder Vater, sondern in der Regel Lebensmittelunternehmer vor dem Gesetz.
5. Kontakt zur Lebensmittelüberwachung suchen
Die nächste Beratungsquelle ist das zuständige Lebensmittelüberwachungsamt. Sie sollten (oder müssen) sich dort nach dem Infektionsschutzgesetz in Hygienefragen belehren lassen und anschließend regelmäßig fortbilden. Alle Menschen, die mit Ihnen den Speisenverkauf gestalten, müssen (ggf. von Ihnen) zum Thema Hygiene und Infektionsschutz geschult werden. Die Lebensmittelüberwachung wird in die Schule kommen und den Ort des Speisenverkaufs bzw. der Vorbereitung dafür in Augenschein nehmen. Sie bekommen Auflagen aus gesundheitlicher Sicht, die ernst zu nehmen sind.
Viele Fragen zum professionellen Umgang mit Lebensmitteln, sei es die Küchenausstattung, sei es das eigene Verhalten, sind Auslegungssache. Das Gesetz gibt nur den Rahmen vor. Die örtliche Lebensmittelüberwachung entscheidet individuell über die Auslegung. Deshalb ist der persönliche Kontakt und ein Vor-Ort-Rundgang zu Beginn und regelmäßig unabdingbar. Erste Informationen zum hygienischen Umgang mit Speisen liefern die Internetseiten von „Schule + Essen = Note 1“ unter www.schuleplusessen.de und die Seiten des aid infodienstes unter www.aid.de.
Viel Erfolg beim Aufbau und Betreiben Ihres Schulkiosks!
Weitere Informationen finden Sie auch in den folgenden aid-Medien:
(Heft)
(Ordner)
Zurzeit leider vergriffen!
(Unterrichtsmaterial)
Rezepte
Anregungen für leckere Speisen, darunter bereits erprobte Gerichte aus der Schulverpflegung, bietet die Rubrik "Rezepte " von Talking Food.
(Bilder: aid infodienst, www.pixelquelle.de)
Autor:
Autorin: Stephanie Wetzel, Berlin; Fachliche Beratung: Ute Gomm, aid infodienst; Redaktion: Christof Meinhold, Köln (April 2007)








